Mobbing eines Missbrauchsopfer

Berlin 30.5.2012: Alex, ein normaler Junge in der Lehrlings-Ausbildung (Friseuhandwerk Berlin), erfährt am Arbeitsplatz Demütigungen, Mobbing und Verhöhnung. Was für keinen Menschen angenehm ist, entwickelt bei Opfern von sexuellem Mißbrauch eine Eigendynamik mit der typischen Angstsymptomatik: Man zieht sich zurück, fühlt sich nicht verstanden, verschließt sich und spielt in Gedanken einen Ausweg durch, der diese unerträgliche Situation beenden könnte. So auch bei Alex. Das alles wäre zu vermeiden gewesen. Er hatte seiner Ausbilderin mitgeteilt, daß er vom Vater sexuell missbraucht worden sei. Doch statt Verständnis erhält er die Antwort, daß es wohl einen Grund gehabt habe, weshalb der Vater dies getan habe.

Nach der langen Diskussion über sexuellen Missbrauch, die vor wenigen Wochen intensiv in den Medien und an Runden Tischen geführt wurde, ist man erschrocken darüber, daß diese offenbar kaum Wirkung zeigt. Alte verkrustete Vorurteile, die als Billigung verstanden werden können, halten sich hartnäckig. Oder - soll es vielleicht sein, daß die Ausbilderin diese Aussage bewußt mit der Absicht  getan hat, um zu verletzen? Sicher, man darf nicht vorschnell urteilen, doch zeigt ihr Verhalten so wenig Sensibilität, daß sie in ihrer gegenwärtigen Position wohl kaum haltbar sein wird. Es steht zu befürchten, daß sich ihre unsensible Art auch gegenüber anderen Auszubildenden zeigen wird, und das kann nicht Sinn einer Ausbildung sein. Lehrjahre sind keine Herrnjahre, doch Demütigungen und Mobbing sind nicht die Mittel, junge Menschen ins Berufsleben zu führen.

Hier zeigt sich, daß Ausbilder, welcher Art auch immer, sich nach ihrer Eignung für diese Aufgabe befragen lassen müssen. Dazu gehören auch pädagogische Eignung und das Bewußtsein, daß wir alle einer Wertordnung unterworfen sind, die auf gegenseitigem Respekt beruht. Dies sollte auch im Handwerk gegenüber Auszubildenden, und besonders dann, wenn sie traumatische Erlebnisse durchmachen mußten, eine Selbstverständlichkeit sein. Vielleicht kann dieser Fall zum Anlaß werden, die schlafenden Köpfe im Handwerk aufzuschrecken und nach Strategien zu suchen, wie solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden sind.

 
 Die Handwerkskammer wollte diesen Vorfall wie immer bei solchen  Sachen, am liebsten unter dem Tisch fegen.
 

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