Runde Tisch beendet heute seine Arbeit

Mit der heutigen Abschlusssitzung beendet der Runde Tisch seine Arbeit. Die Bundesinitiative der Betroffenen von sexualisierter Gewalt und Missbrauch im Kindesalter (BI) hat seit März 2011 am Runden Tisch mitgearbeitet und sieht folgendes Fazit: Die Bundesinitiative schätzt die geleistete Arbeit aller Beteiligten des Runden Tisches sehr und befürwortet den Großteil der erarbeiteten Papiere. Aus unserer Sicht wurden jedoch folgende sehr wichtige Punkte nur unzureichend diskutiert und von Ergebnissen und Lösungen scheint man noch weit entfernt zu sein.

Aus diesem Grunde fordern wir:

- Die Erweiterung des Beratungsnetzwerkes für betroffene Opfer sexuellen Missbrauchs und betroffene     Täter ist unverzüglich in Angriff zu nehmen. Betroffene brauchen JETZT HILFE. Hierbei ist zu     berücksichtigen, dass auch Migranten und Behinderte Menschen mit einbezogen werden.

- Die Abschaffung der Verjährungsfristen ist weiterhin zu diskutieren.

- Die finanzielle Begrenzung für Hilfsmaßnahmen Betroffener sind zurückzunehmen. Betroffene müssen     Hilfe in Anspruch nehmen können, solange sie diese eben brauchen. Wie in den Arbeitsgruppen mehrfach   von uns erwähnt, dauern Heilungsprozesse bei Betroffenen oftmals viele Jahre oder auch Jahrzehnte     an. Die finanzielle Absicherung für Therapien oder andere Heilmethoden muss stetig gesichert sein.     Ebenso für Anwalts- und Gerichtskosten.

- Auch Richter müssen dazu verpflichtet werden, entsprechende Aus- und Fortbildungen durchzuführen und   nachzuweisen, damit zufriedenstellende Entscheidungen in Fällen von sexuellem Missbrauch     herbeigeführt werden können.

- In dem Bereich Forschung ist der Bereich der Traumatherapie mit einzubeziehen.

- Die Regelungen des Opferentschädigungsgesetzes sind JETZT zu überarbeiten.

Bei all den Themen sollte mehr Bezug zur Praxis genommen werden, aus deren Erfahrungen man entsprechende Änderungen herbeiführen muss. Leider scheint es so, als wenn die Theorie noch den Vorzug erhält. Für alle Arbeitsbereiche stehen die Betroffenen selbstverständlich weiterhin zur Verfügung. Nur durch die Hilfe der Erfahrungsberichte der unzähligen Betroffenen können wirklich gute Arbeitsergebnisse erzielt werden.

Der Vorstand der Bundesinitiative der Betroffenen von sexualisierter Gewalt und Missbrauch im Kindesalter,

Kathrin Radke und Michael Ermisch

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