Christine Bergmann - Amtszeit beendet

Nach gut 1 1/2 Jahren als Bundesbeauftragte für den sexuellen Missbrauch legt Christine Bergmann zum 31. Oktober ihr Amt nieder. Ihre Aufgabe wird weitergeführt von einer "Unabhängigen Nachfolgestelle". Das ist eine schlechte und eine gute Nachricht. Frau Bergmann hat sich seit ihrer Berufung in dieses von der Bundesregierung geschaffene Amt intensiv um die Opfer des sexuellen Missbrauchs bemüht und wesentlich an den Präventionsvorgaben, die in Zukunft den sexuellen Missbrauch eindämmen sollen, mitgearbeitet. Vor allem war Ihr Amt mit einer Stelle verbunden, wo Opfer anonym sich melden konnten. Das diese Stelle erhalten bleibt, ist eine gute Nachricht. Im Mai dieses Jahres hatte Frau Bergmann Ihren Abschlußbericht vorgelegt und darin richtungsweisende Empfehlungen ausgesprochen. Es war ein Glücksfalls, für diese Aufgabe eine gestandene und politisch erfahrene Persönlichkeit zu gewinnen. Das sich die "Unabhängige Nachfolgestelle" ebenso schnell und kompetent Ansehen und Gewicht erwirbt, ist im Interesse der Opfer dringend zu wünschen. 

Die Gefahr des sexuellen Missbrauchs ist nicht gebannt.  Erste Maßnahmen sind gerade mal angelaufen und befinden sich in der ersten Phase der Umsetzung. Noch keineswegs abschließend geklärt ist die Frage der Opferentschädigung. Angedacht sind Hilfen bei der Bewältigung der Folgen des Missbrauchs. Diese sollen vom Bund, Ländern und Institutionen getragen werden. Die Fragen des Schmerzensgelds für Opfer, die die jeweiligen Institutionen tragen sollen, ist noch nicht abschließend geklärt. Hierzu soll sich der Runde Tisch sexueller Missbrauch in naher Zukunft eindeutig äußern. Ebenfalls offen ist die Novellierung des Opferschutzgesetzes und seine Öffnung für die Opfer von sexuellem Missbrauch. Das Ministerium für Arbeit und Soziales mauert hier aus unerfindlichen Gründen. Offenbar gibt es in der Bundesregierung immer noch Kräfte, die sich der Tragik des sexuellen Missbrauchs nicht bewußt sind.

Was also bleibt nach 1 1/2 Jahren. Das Bewusstsein der Gefahr des sexuellen Missbrauchs ist gewachsen, auch die Notwendigkeit der Hilfe für die Opfer. Konkret haben die beteiligten Ministerien Forschungsaufträge vergeben, Richtlinien für das Personal, das in der Kinderbetreuung tätig ist, auf den Weg gebracht, ebenso die wichtigen Leitlinien zur Einschaltung der Staatsanwaltschaft. Doch die konkreten Schritte für die Opfer stehen noch aus. Es ist zu wünschen, daß sich hier bald etwas tut und daß auch klarer wird, wie die geplanten Beratungsstellen und die Therapiemöglichkeiten aussehen werden. Es gibt also noch viel zu tun.

 

Fernsehsendung zur Beendigung der Amtszeit von Frau Dr. Christine Bergmann

Erster Teil der TopTV-Fernsehsendung bei ALEX-Berlin TV vom 25.10.2011
Die Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs
bilanziert die Ergebnisse ihrer Arbeit und informiert über die Zukunft der
Anlaufstelle  http://www.youtube.com/watch?v=p_ELhg6ZIe4

 

Zweiter Teil der TopTV-Fernsehsendung bei ALEX-Berlin TV vom 25.10.2011
Interview mit Frau Dr. Bergmann, Prof. Fegert, Michael Ermisch, und Kathrin
Radke   http://www.youtube.com/watch?v=4PAltxfHxYY

 

Zusätzliche Informationen