Aprath; neuer theologischer Leiter

Das Erziehungsheim "Gut an der Linde", das in den letzten Monaten nicht nur regional, sondern auch überregional in die Schlagzeilen geraten ist, gehört zur  Bergische Diakonie Aprath. Heutzutage wirbt sie mit dem Slogan "Mit Kompetenz und Herz". Glaubt man den Berichten ehemaliger Heimkinder, so war das keineswegs immer der Fall. Trotz öffentlichem Bekenntnis, zur Verantwortung aus der Vergangenheit zu stehen, gestaltete sich das Gespräch ehemaliger Heimkinder mit der Leitung der Bergischen Diakonie Aprath schwierig. Wenn es darum geht, aus dem Geschehenen die angemessenen Konsequenzen zu ziehen, scheint sich diese Einrichtung und ihre Leitung nicht von vergleichbaren Einrichtungen im Lande zu unterscheiden. Theologisch geht es um ein zentrales christliches Anliegen, um Versöhnung, doch wird sie kaum ohne fairen Ausgleich des erfahrenen Leids zustande kommen. Hier tut man sich nach wie vor schwer.

Seit dem 1. Juli hat die Bergische Diakonie Aprath einen neuen theologischen Leiter. Ihm ist zu wünschen, daß er bei der "Vergangenheitsbewältigung" eine glücklichere Hand haben möge als sein Vorgänger. In diesem Sinne gab Helmut Jacob aus Wetter-Wengern, der die Interessen behinderter Heimopfer vertritt, einer ev. Einrichtung dem neuen Vorstand einige wegweisende Sätze mit auf den Weg. Sie gelten jedoch nicht nur für die Bergische Diakonie Aprath, sondern spiegeln die Behandlungsweise ehemaliger Heimkinder in diesem Lande in einer so allgemeinen und grundsätzlichen Weise, daß sie es verdienen, öffentlich gemacht zu werden. Es ist ein Theologe und Pfarrer, der diese Worte geschrieben hat, und das verleiht ihnen ein besonderes Gewicht: "Mir kam eine Email vom 10. Oktober dieses Jahres an Opfer der Bergischen Diakonie auf den Bildschirm. In dieser Email las ich folgenden Satz: 'Persönlich bedauere ich es außerordentlich, dass diese für Sie und andere so schwerwiegenden und belastenden Missstände aufgetreten sind.' Diese Formulierung ärgert mich sehr, weil sie mich zu sehr an die Sprachregelung erinnert, an der sich die Kirchen und Heimbetreiber in der Öffentlichkeit orientieren. Diese Sprachregelung ist überholt. Es gibt keinen Zweifel mehr daran, dass in den drei Nachkriegsjahrzehnten massive Verbrechen an behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen stattgefunden haben. [http://amd.co.at/anti/moitzfeld ] Zu dieser Information hat eine kleine Opfergruppe Ihrer Einrichtung mit bemerkenswertem Engagement beigetragen.

Ihre Einrichtung sollte sich bei dieser Gruppe für die Offenlegung der vielen Verbrechen bedanken, weil diese Opfergruppe den heute noch Verängstigten, Traumatisierten und Sprachlosen eine Stimme gegeben hat. Sie sollten der Gruppe auf Augenhöhe begegnen. Die Gruppe will nicht mehr von Ihnen als Sie ihr geben müssen: Eine aufrichtige Entschuldigung und große Zeichen der Wiedergutmachung. Die Wiedergutmachung muss der Bergischen Diakonie finanziell wehtun, damit die Entschuldigung auch als solche empfunden wird und eines Tages angenommen werden kann. Dabei bedeutet ein Verstecken hinter den Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung und den Beschlüssen des Bundestages eher eine erneute Misshandlung der schon Misshandelten." Dem ist nichts hinzuzufügen.

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