"Kinderzuchthaus" wird zum Thema gemacht

Luzern 25.März2010 - Jahrzehntelang wurden in der Luzerner Erziehungsanstalt Rathausen Kinder systematisch misshandelt und missbraucht. Dieses dunkle Kapitel wird nun in einer Dokumentation beleuchtet. Die Erziehungsanstalt Rathausen, ausserhalb der Stadt Luzern gelegen, war eines der grössten Kinderheime der Schweiz. Rund 3500 Kinder, uneheliche, verarmte und verwaiste, haben in der Anstalt von 1883 bis 1989 einen Teil oder gar ihre ganze Kindheit verbracht. Geführt wurde das Heim im Auftrag des Kantons Luzern von einem Priester, ihm zur Hand gingen Klosterschwestern als Erzieherinnen.

"Kultur der Angst und Lüge":  Dieses katholische Personal erzog die ihnen anvertrauten Kinder nach der Devise: Arbeit, Gebete – "und viele Schläge", wie es in einer Programmvorschau zum am (heutigen) Donnerstagabend ausgestrahlten "Dok"-Film heisst. "Aus aktuellem Anlass" werde der bereits einmal ausgestrahlte Film mit dem Untertitel "Misshandelt nach göttlichem Recht" nun nochmals gezeigt. In der Erziehungsanstalt sei eine "Kultur der Angst und der Lüge" geschaffen worden. "Und wem sich am Ende seiner Kindheit endlich die Klostertore öffneten, dem wurde eingebläut, bloss zu schweigen."

Sechs Opfer brechen Schweigen Filmautor Beat Bieri hat sechs einstige Zöglinge getroffen, die nicht mehr schweigen wollen. Noch heute liege die einstige Kindheit in Rathausen "wie ein böser Schatten" über dem Leben der älteren Männer, wie es weiter heisst. "Sie erinnern sich an priesterliche Besucher, die Kinder missbrauchten, an Dunkelzellen, an Nonnen, die willfährig mitprügelten, an Kinder, die ihrem traurigen Leben ein Ende setzten". Die schreckliche Zeit habe bis Mitte der 1950er-Jahre angedauert – "damals begann sich die Erziehungsanstalt zu öffnen". Bis heute habe im Kanton Luzern jedoch nie eine politische Debatte über "Rathausen" stattgefunden.

Quelle: http://www.zisch.ch  >scd<

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