Vor Prozess bekommt Heimkind keine Akteneinsicht

LINZ. Jenö Molnar wurde als Kind in Erziehungsheimen schwer misshandelt und stand danach ohne Staatsbürgerschaft auf der Straße. Nun klagt er das Land Oberösterreich auf 1,6 Millionen Euro Entschädigung. In drei Wochen startet der Prozess. Der Kläger ringt um die Einsicht in Akten, die den Ausgangspunkt seines harten Schicksals klären sollen. Der 65-Jährige mittlerweile ungarische Staatsbürger fordert alle Dokumente über sein Schicksal, die Grundlage für das Land Oberösterreich waren, dem früheren Heimzögling heuer im Mai eine Wiedergutmachung in der Höhe von 20.000 Euro zuzusprechen.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft gilt dabei als Anlaufstelle für alle früheren Heimzöglinge, die Opfer von massiver Gewalt wurden und die bei der Opferschutz-Kommission um Entschädigung ansuchten. Molnar empfand die finanzielle Geste als „Beleidigung“, weswegen er Klage beim Landesgericht Linz einreichte.

Die erste Prozessrunde wurde nun für den 20. Dezember anberaumt. Für Molnar sind die KiJA-Unterlagen, auf deren Grundlage die Kommission der Landesregierung eine Entschädigung empfohlen hat, wichtig – nicht nur aus Prozessgründen. Sie sollen klären, wieso der Sohn einer ungarischen Lehrerin aus Lambach und eines US-Soldaten kurz nach der Geburt 1947 in die Obhut der staatlichen Fürsorge geriet, obwohl die Mutter – entgegen früheren Versionen – noch am Leben war. Molnar sagt, es würden sich aus seinen Unterlagen vier verschiedene Varianten ergeben: eine Tante könnte die Heimeinweisung veranlasst haben, aber auch die US-Militärverwaltung. Eine dritte Spur in seinen Akten führt zur damaligen Landesregierung. Das Land meinte aber in der Klagebeantwortung, mit dem Fall des staatenlosen Buben überhaupt erst ab dem Jahr 1962 befasst gewesen zu sein. „Wir haben die Landesverwaltung mehrfach gebeten, alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen“, sagt Molnar. Vergeblich. Gestern verstrich die Frist, die der Anwalt des Triers dem Amt der oberösterreichischen Landesregierung zur Aktenübermittlung setzte, reaktionslos.

„Das laufende Verfahren bietet die Möglichkeit, alle Unterlagen über das Gericht anzufordern“, sagt Antonia Licka, Chefin des Amts der Landesregierung auf OÖN-Anfrage. Sie könne keine Unterlagen hergeben. Außerdem habe Molnar ohnehin „alles, was von Relevanz war“, bereits erhalten.

Quelle: Nachrichten.at

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