Klageschrift am Internationalen Strafgerichtshof

In Den Haag beantragen Überlebende sexualisierter Gewalt und eine führende Menschenrechts-Organisation in einer wegweisenden Klage Fall die Geltendmachung der Gerichtsbarkeit durch den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) für Kirchenverantwortliche wegen Vergewaltigung, sexueller Gewalt und Folter durch Priester. Eine von Betroffenen geführte Selbsthilfegruppe von Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester haben die Ankläger des Internationalen Strafgerichtshof (ICC) heute offiziell aufgefordert Ermittlungen gegen den Vatikan für Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufzunehmen. Führende Personen von SNAP, dem Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester, haben zusammen mit ihren Anwälten, von der Menschenrechtsorganisation Center for Constitutional Rights (CCR), eine ausführliche und detaillierte Klageschrift eingereicht. Sie beschuldigen Vatikan-Verantwortliche der Tolerierung und Ermöglichung der systematischen und weit verbreiteten Vertuschung von Vergewaltigung und Sexualverbrechen an Kindern in der ganzen Welt. Zusammen mit der Klageschrift legten sie mehr als 10.000 Seiten Unterlagen vor,  bestehend aus Berichten, Strategiepapieren und der Beweisen von Verbrechen katholischer Geistlicher an Kindern und schutzbedürftigen Erwachsenen.
 
SNAP-Mitglieder aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und den USA reisten nach Den Haag, um zu verlangen, dass der IStGH tätig wird und den Papst und drei weitere hochrangige Vatikan-Verantwortliche anklagt für ihre direkte und Vorgesetzten-Verantwortung für auf der ganzen Welt begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt.
 
„Verbrechen gegen Zehntausende von Opfern, die meisten von ihnen Kinder, sind wird von Verantwortlichen auf der höchsten Ebene des Vatikans gedeckt worden. In diesem Fall führen alle Wege wirklich nach Rom“, sagte die führende CCR-Anwältin Pamela Spees. „Diese Männer arbeiten mit Straflosigkeit und ohne Rechenschaftspflicht. Die in diesem Fall angeklagten Vatikan-Verantwortlichen sind verantwortlich für Vergewaltigung und andere sexualisierte Gewalt und die physische und psychische Folter der Opfer auf der ganzen Welt, sowohl durch Vorgesetztenverantwortlichkeit als auch durch die direkte Vertuschung von Verbrechen. Sie sollten wie jeder andere Verantwortliche für Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht gebracht werden.“
 
SNAP-Präsidentin Barbara Blaine sagte: „SNAP will verhindern, dass noch ein einziges weiteres Kind einer Vergewaltigung oder sexuellem Übergriff durch einen Priester zum Opfer fällt und wir hoffen, dass Betroffene  auf der ganzen Welt heute wissen, dass sie nicht alleine sind und dass es sicher ist, über ihre Misshandlung zu sprechen und zu berichten. Wir als Betroffene schließen uns auf der ganzen Welt zusammen, und jeder Betroffene ist eingeladen bei uns mitzumachen.“
 
Das 21-jährige SNAP-Mitglied Megan Peterson sprach zum ersten Mal letzte Woche öffentlich über ihre Misshandlung: „Es ist wichtig, dass das Gericht versteht, dass dies nach wie vor geschieht, und dass sie diese Klage ernst nehmen und das Richtige tun müssen. Ich will nicht, dass noch irgendein Kinder mitmachen muss, was ich durchgemacht habe.“
 
Sexualverbrechen durch Priester wurden in fast jedem Land verübt und vertuscht. Allein in den Vereinigten Staaten haben kirchlichen Behörden zugegeben, dass fast 6.000 Priester öffentlich beschuldigt Kinder im Laufe der letzten Jahrzehnte belästigt zu haben. SNAP schätzt, dass es bis zu 100.000 amerikanische Betroffene sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche gibt, und dass in anderen Ländern, in denen Gesetze zum Kinderschutz vielleicht nicht so robust sind wie in den Vereinigten Staaten, die Zahl der Betroffenen gleichermaßen atemberaubend sein wird. Bis zu 20.000 sexuell belästigende oder gewalttätige Täter-Priester sind nach wie vor im Dienst, auch wenn sie einer Straftat beschuldigt wurden. Oft werden diese Priester einfach in Bereiche versetzt, in denen die Kirche hat extremen Einfluss hat oder in abgelegene Gebieten außerhalb Einrichtungen zur Unterstützung, Prävention und Verantwortlichkeit.
 
Die Zuständigkeit des ICC bezieht sich auch auf Vergewaltigung, sexuelle Gewalt und Folter als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es unterstützt auch die Strafbarkeit natürlicher Personen für diejenigen mit Führungs- und Vorgesetztenverantwortlichkeit über diejenigen, die direkt solche Verbrechen begehen. Dies sind die Argumentationsmechanismen anhand derer die Klageschrift Ermittelungen und Anklageerhebung gegen Vatikan-Verantwortliche einfordert, für ihre Rollen bei Vergewaltigungen, sexueller Gewalt und Folter von Tausenden von Menschen auf der ganzen Welt. Dies könnte das erste Mal sein, dass ein internationales Gericht seine Gerichtsbarkeit über den Vatikan geltend macht, für von seinen Mitarbeitern weltweit verübte Verbrechen.
 
SNAP und CCR unternehmen eine 12-Städte-Tour in Europa, und werden am 15.9.2011 in Wien vor der lokalen Diözese die Übergabe von relevanten Dokumenten einzufordern, und ermutigen andere Betroffene sexuellen Missbrauchs durch Geistliche sich zu melden, um weitere Beweise der Anklageschrift hinzuzufügen.
 
SNAP (Survivors Network of those Abused by Priests) ist das Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester. SNAP ist die größte und aktivste Unterstützungsgruppe von Menschen, die von religiösen Autoritätsfiguren (Priestern, Bischöfen, Diakonen, Nonnen und anderen) verletzt wurden. SNAP ist unabhängig und ist nicht mit der Kirche oder Kirchenautoritäten verbunden. SNAP ist für die Opfer eine Selbsthilfegruppe um einander zu heilen und zu helfen:www.SNAPnetwork.org.
 
Das Zentrum für Verfassungsrechte (Center for Constitutional Rights; www.CCRjustice.org; follow@theCCR ) engagiert sich für die Förderung und den Schutz der von der Verfassung der Vereinigten Staaten und der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte garantierten Rechte. CCR wurde im Jahre 1966 von Anwälten gegründet, die Bürgerrechtsbewegungen im Süden der USA vertreten hatten.CCR ist eine anerkannte gemeinnützige Organisation mit pädagogischem Ansatz, die sich dem kreativen Einsatz des Rechts als positive Kraft für gesellschaftliche Veränderungen verpflichtet.
 

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